Schutzmaßnahmen

Zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser zählen unter anderem Mauern, Dammbalkensysteme und hochwasserhemmende Bauelemente.

Die Zunahme extremer Wetterereignisse infolge des Klimawandels führt in vielen Regionen zu einem erhöhten Hochwasserrisiko. Insbesondere Wohngebäude, die in hochwassergefährdeten Gebieten liegen, benötigen adäquate Schutzmaßnahmen. Die relevantesten Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser sind stationäre Schutzmauern, mobile technische Schutzsysteme und hochwasserhemmende Bauelemente.

Stationäre Schutzmauern

Stationäre Schutzmauern stellen dauerhafte bauliche Maßnahmen dar, die dem Schutz von Gebäuden oder Grundstücken gegen eindringendes Hochwasser dienen. Sie sind fest installiert, jederzeit verfügbar und zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber hydrostatischem Druck sowie mechanischer Beanspruchung aus.

Als stationär werden Schutzsysteme dann eingeordnet, wenn sie vollständig fest mit dem Bauwerk oder Grundstück verbunden sind und keine Bedienhandlungen im Ereignisfall erfordern. Dazu zählen z.B. fest eingemauerte Schutzwände aus Beton oder Mauerwerk. Diese Systeme sind besonders für dauerhafte Schutzziele geeignet, z.B. bei Gebäuden in regelmäßig überfluteten Zonen oder bei hoher Wasserbelastung.

Stationäre Systeme gelten als besonders zuverlässig, da sie nicht vom manuellen Aufbau oder kurzfristiger Verfügbarkeit abhängig sind. Im Vergleich zu mobilen Systemen bieten sie eine höhere Ausfallsicherheit, da sie nicht auf Bedienpersonal, Lagerung, Transport oder rechtzeitigen Aufbau angewiesen sind.

Allerdings sind stationäre Systeme weniger flexibel einsetzbar und erfordern eine aufwändige Genehmigungs- und Bauplanung, insbesondere bei Integration in bestehende Strukturen oder im öffentlichen Raum.

Mobiler Hochwasserschutz

Technische bzw. mobile Hochwasserschutzsysteme ermöglichen eine temporäre Sicherung gefährdeter Gebäudeöffnungen und Geländeabschnitte bei drohendem Hochwasser.

Zu den typischen Systemen zählen Dammbalkensysteme, modulare Aluminium-Schotts, mobile Wandsysteme, aufblasbare Schutzkörper (z.B. Schlauchsysteme) sowie textile Barrieren (z.B. Schutzplanen oder -säcke).

Dammbalkensysteme bestehen üblicherweise aus horizontal eingesteckten Aluminiumprofilen, die zwischen beidseitig befestigten Führungsschienen (Nut- oder Eckprofilen) montiert werden. Sie ermöglichen eine flexible Anpassung an unterschiedliche Öffnungsbreiten und lassen sich bei sachgemäßer Montage bis zu einer Schutzhöhe von ca. 1,5 m einsetzen.

Ein wesentlicher Vorteil mobiler Systeme liegt in ihrer platzsparenden Lagerung und der geringen optischen Beeinträchtigung im Ruhezustand.

Dadurch eignen sie sich besonders für Gebäude, bei denen bauliche Eingriffe vermieden oder gestalterische Anforderungen berücksichtigt werden müssen. Die Schutzwirkung hängt jedoch maßgeblich von einer rechtzeitigen Montage, korrekten Installation sowie einer regelmäßigen Wartung der Bauteile ab. Fehler in der Handhabung, beschädigte Dichtungen oder unvollständig aufgebaute Systeme können die Funktionalität erheblich beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist eine objektspezifische Planung, abgestimmt auf die baulichen Gegebenheiten sowie die hydrologische Gefährdungslage, erforderlich. Für schnell eintretende Überschwemmungen durch lokalen Starkregen sind diese Systeme nur bedingt geeignet.

Hochwasserhemmende Bauelemente

Hochwasserhemmende Bauelemente sind eine weitere Möglichkeit des objektspezifischen Hochwasserschutzes. Sie dienen dazu, das Eindringen von Wasser direkt an der Gebäudehülle zu verhindern und werden entweder im Rahmen von Neubauten integriert oder im Bestand gezielt nachgerüstet.

Zu diesen Bauelementen zählen hochwasserhemmende oder druckwasserdichte Fenster und Türen, Lichtschachtabdeckungen, Rückstausicherungen für Entwässerungssysteme sowie abdichtbare Öffnungen für Leitungs- und Lüftungsdurchführungen.

Hochwasserhemmende Fenster und Türen verfügen über spezielle Dichtungssysteme, Mehrfachverriegelungen und korrosionsbeständige Materialien. Sie sind in der Regel für definierte Wasserdruckhöhen ausgelegt – häufig bis zu 1,20 m – und können als Bestandteil eines geprüften Schutzkonzepts installiert werden.

Besonders bei rückstaugefährdeten Kellerräumen ist der Einsatz von Rückstaueinrichtungen bei den Entwässerungen von Keller- und Lichtschächten nach DIN EN 13564 von zentraler Bedeutung, um das Eindringen von Abwasser aus dem Kanalnetz zu verhindern.

Ein wesentlicher Vorteil hochwasserhemmender Bauelemente ist der ständige Hochwasserschutz, weil keine Schutzelemente bei Gefahr montiert werden müssen und damit auch bei plötzlich auftretendem Starkregen funktionieren.

Die Schutzwirkung gilt nur bis zur nach ift-Richtlinie FE-07/3 geprüften Wasserhöhe, die vom Anbieter angegeben werden muss. Ein Schutz bei massiven Überschwemmungen mit schwerem Treibgut (Autos, Baumstämme, Äste etc.) ist mit technisch verhältnismäßigen Mitteln nicht zu erreichen.

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Kombination der Schutzmaßnahmen

Ein wirkungsvoller Hochwasserschutz für Wohngebäude beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Schutzmaßnahmen.

Stationäre Schutzmauern bieten eine dauerhafte Barriere gegen eindringendes Wasser und zeichnen sich durch hohe Verfügbarkeit und geringe Fehleranfälligkeit aus.

Mobile technische Schutzsysteme ermöglichen eine flexible Reaktion auf unterschiedliche Gefährdungslagen, setzen jedoch geübten Umgang, rechtzeitige Installation und regelmäßige Wartung voraus.

Hochwasserhemmende Bauelemente wie druckwasserdichte Fenster, Türen oder Rückstausicherungen stellen den letzten Schutz an der Gebäudehülle dar und wirken auch bei kurzfristigen Ereignissen zuverlässig – vorausgesetzt, sie wurden fachgerecht eingebaut und regelmäßig gewartet.

Die Auswahl geeigneter Maßnahmen hängt maßgeblich von den standortbezogenen Risiken, den baulichen Rahmenbedingungen sowie der zu erwartenden Wasserhöhe ab. Deshalb ist eine objektspezifische Schutzstrategie erforderlich, die das lokale Gefahrenpotenzial sowie die Schutzprioritäten berücksichtigt. Besonders geeignet ist eine Kombination unterschiedlicher Schutzebenen, um Sicherheitslücken zu vermeiden und das Risiko bei Extremhochwasserereignissen zu minimieren. Der Hochwasserschutz sollte daher stets integraler Bestandteil einer umfassenden Risiko- und Gefahrenanalyse sein.