Für die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Hochwasserschutzmaßnahmen ist es notwendig, das individuelle Hochwasserrisiko zu kennen. Die Abschätzung des lokalen Hochwasserrisikos kann auf Basis von Hochwassergefahrenkarten erfolgen.
Da Überschwemmungen sowohl durch großflächiges Hochwasser als auch durch lokale Starkregenereignisse verursacht werden können, wird zwischen hochwasser- und starkregenbedingten Überschwemmungen unterschieden.
Deshalb entwickeln die verantwortlichen Behörden nicht nur Hochwassergefahrenkarten, sondern auch Starkregenkarten.
Bundesweite Hochwassergefahrenkarte
Die bundesweite Gefahrenkarte Hochwasser Deutschland ist öffentlich online zugänglich über das Geoportal der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Sie folgt den Vorgaben der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) und des deutschen Wasserhaushaltsgesetzes (§ 74 WHG), indem sie für unterschiedliche Hochwasserszenarien (Hochwasser mit hoher, mittlerer und niedriger Wahrscheinlichkeit) jeweils die Wassertiefen darstellt. Wassertiefen werden farblich codiert, wobei höhere Wassertiefen in dunkleren Blau- bzw. Rottönen angezeigt werden, während geschützte Überflutungsgebiete separat gefärbt und nur bei Versagen der Schutzanlagen überflutet dargestellt werden.
Zur optimalen Nutzung der Karte empfiehlt sich die interaktive Navigation mittels Adresssuche zur gezielten Analyse lokal relevanter Gebiete.
Eine ausführlichere Erklärung der Nutzung von Hochwassergefahrenkarten finden Sie hier:
Erklärung Hochwassergefahrenkarte
Regionale Hochwassergefahrenkarten
Neben der bundesweiten Hochwassergefahrenkarte stehen für Deutschland auch einige regionale Hochwassergefahrenkarten auf Landesebene zur Verfügung. Eine Übersicht über alle verfügbaren Hochwassergefahrenkarten für Deutschland finden Sie hier:
Landesweite Hochwassergefahrenkarten
Im Geoportal des BKG stehen derzeit für acht der sechzehn Bundesländer einheitlich aufbereitete, landesspezifische Hochwassergefahrenkarten zur Verfügung.
In den Hochwassergefahrenkarten des BKG werden die Wassertiefen für die Hochwasserszenarien „HQhäufig“ (Hochwasser mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit), HQ100 (Hochwasser mit einer statistischen Wiederkehrzeit von 100 Jahren) und HQextrem (außergewöhnlich seltenes, extremes Hochwasserereignis) dargestellt.
Die Darstellungsweise der Wassertiefen und die grundsätzliche Nutzungsfunktionalität entsprechen weitgehend jener der bundesweiten Hochwassergefahrenkarte der BfG. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass in den Karten des BKG eine deutlich stärkere Vergrößerung (Zoom) möglich ist, was eine detailliertere Betrachtung lokaler Gegebenheiten erlaubt.
Hochwassergefahrenkarte Bayern
Für jedes deutsche Bundesland existiert eine eigenständige landesweite Hochwassergefahrenkarte.
Die Karte für Bayern wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) erstellt und ist über den UmweltAtlas Bayern zugänglich.
Inhaltlich und hinsichtlich der dargestellten Szenarien entspricht sie vollständig der vom BKG bereitgestellten Hochwassergefahrenkarte für Bayern.
Nutzung von Hochwassergefahrenkarten
Bei der Nutzung von Hochwassergefahrenkarten können verschiedene Herausforderungen auftreten. So besteht eine kartentechnische Uneinheitlichkeit, da beispielsweise die einzelnen Landesportale voneinander abweichende Farbskalen, Legenden und Zoomstufen verwenden.
Zudem ist die Bedienlogik nicht einheitlich standardisiert, was insbesondere für Endanwender wie Bauherren oder Mieter zu Verunsicherung führen kann. Auch hinsichtlich der Szenarien und Maßstäbe bestehen Unterschiede: Während einige Bundesländer ausschließlich die Szenarien „HQ 100“ und „HQextrem“ bereitstellen, enthalten andere zusätzlich „HQ20“.
Gleichzeitig bieten die Karten jedoch einen hohen Nutzen für die lokale Risikoabschätzung, da sie eine ortsgenaue Identifikation hochwassergefährdeter Grundstücke ermöglichen und somit wertvolle Entscheidungshilfen für Bauherren, Planer und weitere Beteiligte liefern.
Bei der Interpretation der Hochwassergefahrenkarten ist jedoch zu berücksichtigen, dass Hochwasserereignisse mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von HQ100 aufgrund des Klimawandels in Zukunft nicht mehr alle 100 Jahre, sondern deutlich häufiger auftreten werden.