Glossar - Wasser, Hochwasser und Hochwasserschutz

Hier finden Sie ein Glossar mit zentralen Fachbegriffen aus den Bereichen Wasser, Hochwasser und Hochwasserschutz.

Wasser

Abwasser

Wasser, das durch häusliche, gewerbliche, industrielle, landwirtschaftliche oder sonstige Nutzung verunreinigt wurde; umfasst auch Regenwasser von bebauten Flächen.

Advektiver Niederschlag

Niederschlag, der durch horizontale Luftbewegungen entsteht und sich oft als Dauerregen äußert.

Fließgewässer

Gewässer, die aufgrund der Schwerkraft von der Quelle zum Meer strömen.

Flussgebietseinheit

Verwaltungseinheit für die Bewirtschaftung von Einzugsgebieten, Grundwasser und zugeordneten Küstengewässern.

Fremdwasser

In ein Schmutzwassernetz eindringendes Wasser aus externen Quellen, wie Grundwasser oder Oberflächenwasser.

Grundwasser

Im Untergrund gespeichertes Wasser, das zusammenhängend Boden- und Gesteinshohlräume ausfüllt.

Konvektiver Niederschlag

Niederschlag, der durch aufsteigende Luftbewegungen entsteht und meist als Schauer auftritt.

Küstengewässer

Meeresbereich zwischen Küstenlinie und Begrenzung des Küstenmeeres.

Niederschlagswasser

Abfließendes Regenwasser, das in Entwässerungssysteme oder Vorfluter gelangt.

Regenwasser

Niederschlagswasser, das über Oberflächen in ein Entwässerungssystem oder einen Vorfluter abfließt.

Wasserkreislauf

Natürlicher Kreislauf des Wassers zwischen Verdunstung, Niederschlag und Abfluss.

Wasserverschmutzung

Verunreinigung von Wasser durch Einleitung von Schadstoffen.

Wasserwirtschaft

Geordnete Nutzung und Schutz der Wasserressourcen im Sinne der Allgemeinheit.

Wetteranomalie

Sammelbegriff für extreme Wetterereignisse. Diese Wetterereignisse bewirken oft erhebliche Sachschäden, Katastrophen und Lebensgefahr für viele Menschen.

Der Deutsche Wetterdienst definiert folgende Ereignisse als Unwetter, wenn die genannten Schwellen überschritten werden:

  • Gewitter: mit Hagel (Körner größer als 1,5 cm), Starkregen, Sturm oder Orkan
  • Sturm: Orkanartige Böen von 11 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Orkan: mind. 12 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Starkregen: mehr als 20 l/m² in 1 Stunde oder mehr als 35 l/m² in 6 Stunden
  • Dauerregen: mehr als 40 l/m² in 12 Stunden oder mehr als 50 l/m² in 24 Stunden oder mehr als 60 l/m² in 48 Stunden

Hochwasser

Abflussvolumen

Gesamtheit der innerhalb eines bestimmten Zeitraums abgeflossenen Wassermenge.

Bemessungsabfluss

Zur Dimensionierung von Hochwasserschutzanlagen verwendete Abflussmenge unter Berücksichtigung eines Freibords.

Bemessungsereignis

Hochwasserereignis einer bestimmten statistischen Jährlichkeit (z.B. HW100), das der Auslegung von Schutzanlagen zugrunde liegt.

Bemessungswassermenge

Bemessungsrelevante Abflussmenge eines Hochwasserereignisses unter Berücksichtigung eines Freibords.

Deichversagen

Plötzliches, vollständiges Versagen eines Deiches mit Überströmung des dahinterliegenden Gebiets.

Einstautiefe

Höhe des Wasserspiegels über dem Gelände in überfluteten Gebieten, gemessen in Metern.

Einstauvolumen

Gesamte Wassermenge, die einem Überflutungsgebiet innerhalb eines bestimmten Zeitraums zufließt.

Extremereignis

Hochwasserereignis oberhalb der Bemessungsgrenzen von Schutzanlagen, mit verschiedenen Szenarien bezüglich Deichversagen und Überströmung.

Extremwetterereignis

Sammelbegriff für extreme Wetterereignisse. Diese Wetterereignisse bewirken oft erhebliche Sachschäden, Katastrophen und Lebensgefahr für viele Menschen.

Der Deutsche Wetterdienst definiert folgende Ereignisse als Unwetter, wenn die genannten Schwellen überschritten werden:

  • Gewitter: mit Hagel (Körner größer als 1,5 cm), Starkregen, Sturm oder Orkan
  • Sturm: Orkanartige Böen von 11 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Orkan: mind. 12 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Starkregen: mehr als 20 l/m² in 1 Stunde oder mehr als 35 l/m² in 6 Stunden
  • Dauerregen: mehr als 40 l/m² in 12 Stunden oder mehr als 50 l/m² in 24 Stunden oder mehr als 60 l/m² in 48 Stunden
Fluviale Überflutung

Überflutung aus dem Gewässer.

Großschadensereignis

Hochwasserereignis, das umfangreiche Koordinationsmaßnahmen erfordert und kommunale Einsatzkapazitäten übersteigt.

Hochwasser

Zeitweise Überschwemmung normalerweise trockener Flächen durch Oberflächengewässer oder Meerwasser.

Hochwasserrisiko

Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines Hochwassers und dessen potenziellen nachteiligen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten und erhebliche Sachwerte (§73 WHG).

Hochwasserszenarien

Statistisch abgeleitete Szenarien unterschiedlicher Hochwasserwahrscheinlichkeiten:

  • Niedrige Wahrscheinlichkeit (oder Extremereignis)
  • Mittlere Wahrscheinlichkeit (voraussichtliches Wiederkehrintervall ≥ 100 Jahre)
  • Hohe Wahrscheinlichkeit
Jährlichkeit

Statistisch erwartete Wiederkehrperiode eines Ereignisses, z.B. ein 100-jähriges Hochwasser (HW100).

Nachrichtliches Überflutungsgebiet

Fläche außerhalb ausgewiesener Risikogebiete, die bei Hochwasser überflutet werden kann.

Pluviale Überflutung

Überflutung durch Sturzfluten aus Starkregen weit ab vom Gewässer.

Potenzielles Überflutungsgebiet

Bereich hinter Schutzanlagen, der bei deren Versagen überflutet werden könnte.

Regenwasserversickerung

Einleitung von Regenwasser in den Untergrund zur Grundwasserneubildung.

Risikogebiet

Gebiet mit signifikantem Hochwasserrisiko.

Schaden / Schadenspotenzial

Wertminderung an Sachgütern und Infrastruktur infolge eines Hochwasserereignisses.

Starkregen

Intensiver Regen mit hohen Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit.

Starkregen stammt meist aus konvektiver Bewölkung und kann in kurzer Zeit zum Anschwellen von Bächen und Flüssen führen. Bei länger anhaltendem Starkregen sind auch Bodenerosionen (Abschwemmung) und Hangrutsche bzw. -abgänge nicht ausgeschlossen.

Laut Definition handelt es sich ab einer Menge von 5 mm innerhalb von 5 Minuten bzw. ab 20 mm in einer Stunde um Starkregen. Der Deutsche Wetterdienst warnt in 2 Stufen vor Starkregen, wenn voraussichtlich folgende Schwellenwerte überschritten werden:

  • Regenmengen ≥ 10 mm / 1 Std. oder ≥ 20 mm / 6 Std. (Markante Wetterwarnung)
  • Regenmengen ≥ 25 mm / 1 Std. oder ≥ 35 mm / 6 Std. (Unwetterwarnung)

Der Regen wird in „mm“ oder „Liter pro Quadratmeter“ gemessen. Beide Einheiten sind identisch. Regenmengen von 10 mm entsprechen einem Eimer mit 10 Litern Wasser, den man auf eine Fläche von einem Quadratmeter leert. Auf dieser Fläche steht das Wasser dann exakt 10 mm hoch.

Sturzflut

Schnelles, massives Abfließen von Niederschlagswasser nach Starkregenereignissen.

Von einer Sturzflut spricht man, wenn innerhalb von sechs Stunden nach einem starken Regenereignis riesige Wassermengen über ein Gebiet hereinbrechen (http://www.atmosphere.mpg.de).

Sturzfluten können in zwei Gruppen klassifiziert werden:

  • Sturzfluten im Flachland und
  • Sturzfluten im Hügelland oder Mittelgebirge.

Beide Typen unterscheiden sich in ihrer Strömungs- und Abflusscharakteristik (http://www.buw-output.uni-wuppertal.de). Bei einer Flachlandsturzflut kommt es zu Überlastungen lokaler Abwasser- und Entwässerungssysteme. Bei einer Sturzflut in Hanglagen treten sehr hohe Fließgeschwindigkeiten auf. Von den Wassermassen werden große Mengen an Material transportiert, die zu enormen Ablagerungen führen und Abwasser- und Entwässerungssysteme verstopfen.
Eine Sturzflut trifft die Bevölkerung meist unvorbereitet.

Überschwemmungsgebiet / Überflutungsgebiet

Gebiet zwischen oberirdischen Gewässern und Deichen oder Hochufern sowie sonstiges Gebiet, das bei Hochwasser überschwemmt oder durchflossen oder das für Hochwasserentlastung oder Rückhaltung beansprucht wird (NRW-Arbeitsgruppe, 2001).

Unwetter

Sammelbegriff für extreme Wetterereignisse. Diese Wetterereignisse bewirken oft erhebliche Sachschäden, Katastrophen und Lebensgefahr für viele Menschen.

Der Deutsche Wetterdienst definiert folgende Ereignisse als Unwetter, wenn die genannten Schwellen überschritten werden:

  • Gewitter: mit Hagel (Körner größer als 1,5 cm), Starkregen, Sturm oder Orkan
  • Sturm: Orkanartige Böen von 11 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Orkan: mind. 12 Bft. (in 10 m Höhe gemessen)
  • Starkregen: mehr als 20 l/m² in 1 Stunde oder mehr als 35 l/m² in 6 Stunden
  • Dauerregen: mehr als 40 l/m² in 12 Stunden oder mehr als 50 l/m² in 24 Stunden oder mehr als 60 l/m² in 48 Stunden
Wasserspiegel / Wasserspiegellage

Höhe der Wasseroberfläche über einem festgelegten Bezugspunkt.

Wassertiefe

Vertikale Entfernung zwischen Gewässeroberfläche und Gewässergrund.

Hochwasserschutz

Ausbaugrad

Leistungsfähigkeit eines Gewässers oder einer Anlage bezüglich der Bewältigung eines Hochwasserereignisses.

Bemessungsgrenze

Maximale Belastung, die eine Hochwasserschutzeinrichtung gemäß ihrer Auslegung standhalten kann.

Eindeichung

Schutzmaßnahme gegen Hochwasser durch Errichtung von Deichen entlang von Gewässern.

Freibord

Vertikaler Abstand zwischen Bemessungswasserspiegel und Deichkrone als Sicherheitsreserve.

Geschütztes Überflutungsgebiet

Gebiet hinter Hochwasserschutzanlagen, das vor Überflutungen bei definierten Ereignissen geschützt ist.

Hochwasserabwehrinfrastruktur

Gesamtheit planmäßig errichteter Anlagen zur Vorsorge gegen Hochwasser.

Hochwassergefahrenkarte

Darstellung überfluteter Gebiete für unterschiedliche Hochwasserwahrscheinlichkeiten:

  • Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit oder bei Extremereignissen
  • Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit
  • Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit (soweit erforderlich)

Gefahrenkarten enthalten Angaben zum Ausmaß der Überflutung, zur Wassertiefe oder zum Wasserstand (soweit erforderlich), zu Fließgeschwindigkeiten (soweit erforderlich) oder zum Wasserabfluss (soweit erforderlich) (WHG § 74).

Hochwasserrisikokarte

Karte, die die möglichen Folgen von Hochwasserereignissen mit hoher, mittlerer, niedriger Wahrscheinlichkeit bzw. von Extremereignissen (§74 WHG) für Mensch, Umwelt, Kulturgüter und Wirtschaft aufzeigt.

Risikokarten enthalten z.B. Angaben zur Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner, zur Art der wirtschaftlichen Tätigkeit im potenziell betroffenen Gebiet und zu IED-Anlagen.

Hochwasserrisikomanagement

Strategie zur Minimierung hochwasserbedingter Risiken durch interdisziplinäre Zusammenarbeit auf regionaler Ebene.

Hochwasserrisikomanagementplan

Mit dem „Hochwasserrisikomanagement“ hat die Europäische Union einen neuen Begriff verbindlich eingeführt. Ziel ist, hochwasserbedingte Risiken nachhaltig zu minimieren. Dafür sollen auf regionaler Ebene verschiedene Disziplinen wie Wasserwirtschaft, Raumplanung, Bauleitplanung, Ver- und Entsorgung, Denkmalschutz, Katastrophenschutz und Wirtschaft in einem kontinuierlichen, zyklischen Prozess enger zusammenarbeiten und gemeinsam ein Maßnahmenpaket schnüren – den sogenannten Hochwasserrisikomanagementplan. Wichtige Bestandteile dieser Maßnahmen sind Gefahrenkarten, in denen Überflutungen, die aus Gewässern kommen können, abgebildet sind. Überflutungsrisiken infolge von Starkregen sind in Deutschland nicht in diesen Gefahrenkarten vermerkt.

Hochwasserrückhaltebecken

Anlage zur temporären Speicherung von Hochwasser zur Reduktion von Abflussspitzen.

Hochwasserschutz

Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Sachwerten vor Hochwasserereignissen. Für den Hochwasserschutz werden technische Maßnahmen wie Deiche, Rückhaltebecken oder Retentionszonen sowie eine organisatorische Infrastruktur eingesetzt.

Kanalisation

System von unterirdischen Kanälen zur Sammlung und Ableitung von Abwasser und Niederschlagswasser.

Nationale HWGK/HWRK

Einheitliche Kartenwerke zu Hochwassergefahren und -risiken, erarbeitet durch die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser.

Polder

Gebiet ohne natürlichen Abfluss, das künstlich entwässert wird.

Poldergebiet

Tief liegendes Gebiet, das durch Pumpwerke trocken gehalten wird.

Pumpwerk

Anlage zur Förderung von Wasser über Höhenunterschiede hinweg. Beispiele sind Gewässerpumpwerke, Abwasserpumpwerke oder Hochwasserpumpwerke.

Regenwasserprojekte

Vorhaben zur natürlichen Versickerung oder Ableitung von Regenwasser.

Retentionsräume

Flächen, die zur Wasserrückhaltung bei Hochwasserereignissen dienen.

Rückhalteflächen

Flächen, die kontrolliert überflutet werden können, um Hochwasserspitzen zu reduzieren.

Schutzgrad

Grad des Schutzes, den ein Gewässer oder eine Anlage für nachgelagerte Bereiche bietet.

Versiegelungsgrad

Anteil der Flächen, in denen Regenwasser aufgrund baulicher Nutzung nicht mehr natürlich versickern kann.